San Cristóbal de las Casas

Komplettes Kontrastprogram in Sachen Hostel bot da wieder San Cristobal de las Casas: Uns (Australierin, ein Amerikaner und mich) hatte ein junger Typ an der Busstation abgefangen und mit einem kleinen Photoalbum direkt in sein Hostel gelockt. Hippiepärchen mit kleinem Kind vermietet die Hälfte seines Hauses samt bemaltem Innenhof, Hängematten, Garten für Lagerfeuer. Der Knirps spazierte immer mit rum und wir benutzten ihre Küche. Er hatte jede Menge über die Maya zu erzählen (zum Beispiel dass 2012 der Kalender und damit unsere Zivilisation endet!) und die Atmosphäre irgendwie sehr familiär. Ich wanderte diesmal mit meinen zwei Kollegen durch die neue Stadt, stieg auf den Hügel um den Überblick zu haben und bestaunte den riesigen Markt für Früchte und Schuhe und Blumen und Hühner und einfach alles. Wir tranken Kaffee im Kaffeemuseum um erfuhren alles über die Mexikanischen Sorten und Fair Trade und was man so wissen muss für eine Tasse mit gutem Geschmack und gutem Gewissen. (mehr…)

1 comment Mai 25, 2008

Puerto Escondido

Obwohl mir an Stränden oft schnell langweilig wird wollte ich auf jeden Fall ein paar Tage Pazifik an der Mexikanischen Westküste mitnehmen. Puerto Escondido ist eine Art Bucht und bekannt für seine hervorragenden Surfbedingungen. Wohlbemerkt hervoragend für Profis: Am Hauptstrand stehend kann man die tosenden drei-Meter-Brecher auf den Strand zuwalzen sehen und leicht interpretieren dass die einen als Surf-Anfänger einfach umbringen. Ich glaube ich hab noch nie solche grossen Wellen gesehen. In dem Hostel, in das wir eincheckten, hatte jeder schon seine persönliche “wie-ich-letztens-fast-ertrunken-bin” Geschichte und ich beschloss surfen irgendwann mal woanders zu lernen. Statt dessen wählten wir eine der ruhigen Minibuchten, in denen die Wellen immernoch Spaß machen aber ungleich kleiner sind. Hellbrauner Sand, Palmen, kleine runde Strohgedeckte Sonnendächer unter die man sich Corona bestellt, ein Traum. Wir zogen mit anderen Leuten aus dem Hostel los und ich sprang zwei Tage in den warmen Wellen rum. Das Hostel war etwas außergewöhnlich: In Puerto Escondido als Badeort gibt es eigentlich nicht viel zu entdecken, weswegen alle Backpacker hier Stop machen um “sich auszuruhen”, mal ein paar Tage keine Ruinen besuchen und sich mit dem Spansch abrackern zu müssen, sondern einfach am Strand hocken und Party machen. Die meisten hatten einen seltsamen Tagesablauf: Aufstehen um eins, zwei Stunden Leiden wegen letzter Nacht, drei Stunden an den Strand, Abendessen, dann trinken und diverse Kräuter und Pilze rauchen, und auf in die Nacht bis morgens um sechs. Ganz viele Schweden, Norweger und Israelis. Eine ganze Clique von ca zehn Leuten die schon seit einer Woche nichts anderes machten. Das ist ja irgendwie ganz nett aber andererseits ist es auch irgendwie eine verlogene Art zu Backpacken. Diese Art von Ignoranz für die eigentliche Kultur des Ortes ist ja letztendlich wie All-Inclusive-Reisen blos günstiger und juenger. Ich mochte das blaue Wasser, das heiße Wetter und die schöne Küste, aber irgendwie wollte ich dann auch wieder los.

Add comment Mai 23, 2008

Oaxaca II

Am nächsten Tag fand fand ich eine schöne Mischung aus Aktiv- und Kulturtourismus. Ich lieh ein Mountain Bike, komplett mit Reparaturset, Landkarte und Routenvorschlägen, und gondelte es auf die Ruinen des Monte Albán. Mittags um zwölf, vielleicht nicht die beste Zeit. Ich keuchte wegen Hitze, Steigung und Höhenlage, schwitzte dass es nur so spritzte und trank Unmengen Wasser. Die Ruinen waren vor allem groß. Eine ganze Stadt aufm Berg, man muss sich nur die Dächer und Menschen vorstellen. Ich fand ein antikes Fußballfeld in dem man früher Steitigkeiten geklärt hat. “Frieden durch Fußball”, das wär doch mal ein Motto für die WM 2010. Alles was ich mit dem Fahrrad hochgefahren war durfte ich dann wieder runterrasen, ohne treten und vom Fahrtwind erfrischt. Ich schlug natürlich die dickste Tour ein, die ich kriegen konnte (45 km) und fuhr den ganzen Tag auf Staubstraßen durch winzige mexikanische Dörfer. Eine hervorragende Art zu sehen wie die Leute abseits der schicken Stadt leben… ziemlich arm, viele Häuser mehr so Wellblechhütten, Menschen, die davor stehen und einen anstarren, Kinder die im Staub spielen. Schockmoment als mich zwei Hunde bellend eine Dorfstraße lang jagten. Komisch, dass ich da tatsächlich die ganze Zeit an meine fehlenden Tollwutimpfungen denken musste, während ich versuchte aus ihrem Beschützerumradius ums Haus zu strampeln. Ich wurde sie los, keuchte, fragte mal wieder nach dem Weg, hoppelte weiter, Fahrrad zum Glück gute Qualität. Ich traf einen Mann der illegal in den Staaten gearbeitet hatte. Das ist hier keinesfalls ein Geheimnis oder hinter vorgehaltener Hand zu sagen. Statt dessen sagte er es sofort bei der Vorstellung nach seinem Namen und unterstrich jeden seiner Sätze mit einem klärenden “Yeah, man!”. Er hatte offenbar im Süden der USA gearbeitet. Er war Bauarbeitet in den USA, nun ist der Schlosser aufm Berg in einem winzigen Dorf in Mexiko. Er hat seinen eigenen Laden, aber es führt keine richtige Straßen hin. Er hat zwei Hunde denen er mit Steinen droht wenn sie nerven. Er hat einen amerikanischen Pickup aber der ist alt. Eigentlich will er wieder zurück. Ich radelte weiter durch die Dörfer, trank eine Pepsi vor einem Alles-Laden (Flasche muss zurückgegeben werden), kam an wo ich hinwollte, kaufte einen trockenen Donut und warf ihn weg da ich mich noch nicht so gut auf Spanisch beschweren kann und heizte auf einer Landstraße zurück nach Oaxaca. Mit meinen Australischen Kollegen aß ich in einer winzigen Taqueria nebenan, zu dumm dass einer der Australier gegen Avocados, Rote Zwiebeln und überhaupt noch so manches das Kern mexikanischer Küche ist allergisch reagiert. Ein kleines bisschen Avocado und der breitschultrige Surfertyp war komplett ausgeschaltet. Er kotzte noch die ganze Nacht und wir aßen sein Sandwich. (mehr…)

Add comment Mai 21, 2008

Oaxaca I

Oaxaca war bis vor wenigen Jahren genau die süße Stadt der Kunst, des Aktivtourismus und der Aztekenkultur als die es sich heute gerne noch begreifen möchte. Ein paar knackige Ruinen, Jahrtausende alte Webertradition, kleine Kopfsteinpflasterstraßen, eine Uni, perfekt. Künstler, Lehrer und Studenten sind aber eben auch die die am meisten denken und schnell vorne dabei sind wenn es darum geht Missstände anzuprangern und sich gegen eine korrupte Regierung zu wenden. Ich bin zur richtigen Zeit am richtigen Ort: Der 15. Mai ist der Tag der jährlichen Lehrerproteste, eine Art “Educational Mayday”, ein erster Mai des Bildungssystems. Vor zwei Jahren, 2006, kam es zu gewalttätigen Protesten die umso gewalttätiger von einer freilaufenden Horde Polizisten niedergeprügelt wurden. Schon einen Tag vorher, am 14. standen ca 200 schwarz gekleidete Polizisten in Demo-Ausrüstung (Helm, Schlagstock, nach Ärger suchender Blick) vor der Uni und schienen bereit. Noch immer fühle ich mich nicht wohl unter denen.
Der Bus nach Oaxaca war diesmal nicht so toll, kommt davon wenn man erste Klasse und eben nicht “Executive Class” bucht. Blöd zum schlafen. Ich landete morgens um sechs und war ganz schön zerdetscht. Alles verspannt, klebrig, müde. Ich schlug etwas Zeit tot, um die Sonne aufgehen zu lassen: Ein schlechter Kaffee am Busterminal (wieso? – Guatemala ist um die Ecke!?), lesen, planen, Karte von der Stadt ansehen und einprägen, damit man nicht ständig mit dem entlarfenden Lonely-Planet Guidebook draußen rumlaufen muss (der 80-Liter Rucksack auf meinem Rücken lässt mich ja auch unglaublich Mexikanisch aussehen…). Ich watschelte in die Stadt und stank immernoch. Das erste Café war meins, es hieß “100% Natural”, sowas konnte es auch irgendwie nur in Oaxaca geben. Ich bekam einen frisch gepressten Karottensaft und einen Dinkelmuffin (okay, ich weiß nicht mal was Dinkel auf Spanisch heißt, aber es könnte gut Dinkel gewesen sein…), ein Croissant mit Rührei und diesmal einen guten Kaffee. Ich hatte eine Art französischen Balkon an meinem Tisch, sah raus in die aufgehende Sonne und las die guten Tips zu einem gesunden leben, die die guten Leute vom Café sogar ins Englische übersetzt hatten. Ich erinnere mich nur noch an Nummer sieben von zehn, frei übersetzt: “Wenn du Abends keine Kraft oder keine Zeit dazu hast, mit deinem Partner physisch aktiv zu werden, dann auf jeden Fall viel, viel kuscheln!” Okay. (mehr…)

Add comment Mai 19, 2008

Mexico City II

Den nächsten Tag widmete ich der Kunst und, hey, ich musste mich kein bisschen zwingen. Ich glaube ich bin grade ein Fan politischer Mexikanischer Malerei geworden. Lange lief ich die riesigen Wandmalereien im Nationalpalast entlang, Meter um Meter sind da hunderte Menschen und Szenen in einer Collage zusammengewürfelt und es lässt sich ständig etwas neues entdecken und interpretieren. Danach ging ich ins Museum über die Stadt Mexico City und während die permanente Austellung irgendwie zum gähnen war packte mich die temporäre völlig. Der Engländer hatte am Vortag abgewunken und das nicht empfohlen und gab später zu die Austellung aus Unbehaglichkeit über die vielen Penise und Vaginas in den Gemälden verlassen zu haben (offenbar fühlte er sich von den Aufseherinnen beobachtet), vergass dabei aber, dass das fast alles enorm politisch Motive waren. Mexico als die Welt gebährende, sich windende Frau sicher als Kommentar zur Globalisierung, Mexico (oft an den Landesfarben zu erkennen) als vom Teufel Vergewaltigte Frau, Mais als Standardmotiv und als Kommentar zum schwerzhaft steigenden Tortillapreis. (mehr…)

1 comment Mai 13, 2008

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